Im Schutzdienst haben wir inzwischen schon einige Erfahrungen gesammelt, weshalb unsere Geschichte da ein wenig länger ist. Also, wer nicht besonders auf längere Erzählungen steht, besser weiterklicken.
Hundesport, genauer gesagt VPG (Vielseitigkeits Prüfung für Gebrauchshunde) nimmt inzwischen einen großen Teil meiner Freizeit ein. Ich habe alle Sparten dieses Sportes lieben gelernt, selbst das Fährten welches ich am Anfang derartig gescheut habe. Das einzige was mich am Fährten heute noch stört, ist die ewige Geländesuche aber damit muss man sich mitten im Ruhrgebiet wohl abfinden. Wenn ich irgendwann mal nicht nur Spaß am fährten habe, sondern auch weiß was ich wirklich tue und meinem Hund dabei nicht mehr im Weg bin, dann bin ich schon in meinem persönlichen Fährtenhimmel.
Nicht nur ich, auch Pebbles liebt VPG, ganz besonders natürlich den Schutzdienst. Aber gerade der Schutzdienst ist es auch, der uns im Laufe der bisherigen Ausbildung die größten Schwierigkeiten bereitet hat. Hierbei war weniger Pebbles das Problem, als mehr die anfänglich grundlegene falsche Arbeit und ihr fehlender Aufbau in der Beute. Pebbles ist ein Hund mit eher wenig natürlicher Beute und viel Aggression, gepaart mit sehr angekratzten Nerven. Diese Mischung macht die Arbeit nicht einfach, besonders wenn man sich mit derartig gelagerten Hunden nicht so gut auskennt.
Da anfänglich die Arbeit zwar sehr motiviert und mit besten Absichten lief aber leider ohne spezielle Kentnisse bezüglich des SD-Aufbaus solcher Hunde, legten wir damals den Grundstein für ein Chaos. Dazu kamen natürlich noch meine Unsicherheiten bei der Führung meines Hundes, so das ich, statt ihr Sicherheit zu geben auch noch weitere Konflikte in die Arbeit brachte.
Im Anschluß wechselte ich aus privaten Gründen die Trainingspartner aber auch dort wurden wir nicht wirklich glücklich. Die Arbeit wurde immer schwieriger, Pebbles immer nerviger und ich war immer mehr überfordert mit der Situation im Sport.
Bewusst wurden mir die anfänglichen Fehler erst im nachhinein denn ich wusste noch lange nicht, warum Pebbles sich so zeigte wie sie es tat und was man anders machen müsse. Ich dachte damals einfach nur, ich habe halt einen Hund erwischt der zwar will aber nicht wirklich geeignet ist, auch wenn ich das nie ofiziell zugegeben habe.
Ich wollte einen letzten Versuch starten und ging zur SV-OG Langenberg. Damals arbeitete dort André Westphal als Helfer, den ich gemeinsam mit seiner Frau Kerstin über das Hollandse Herder Forum kennen gelernt habe. Die beiden hatten ebenfalls eine Hollandse Herder Hündin, die allerdings vom Wesen ganz anders gelagert war als meine Pebbles.
Dort machte man damals das einzig richtige. Auch wenn Pebbles schon fast zwei Jahre alt war, fing André mit ihr wieder ganz von vorne an. Wie bei einem Welpen, mit dem Lederlappen. Stück für Stück lernte Pebbles, dass die Beute nicht einfach nur ein Beiwerk ist, sondern dass es sich lohnt sie zu haben. Wir machten sehr gute Fortschritte im SD bis Pebbles im Februar 2007 an Tetanus erkrankte.
Gott sei Dank hat Pebbles diese Erkrankung nach hartem Kampf überstanden, aber trainingsmäßig warf uns Tetanus sehr weit zurück. Nicht nur wegen der ca. 6 Wochen Trainingspause, denn auch danach schien alles weg zu sein, was wir erarbeitet hatten. Damals zog ich gar nicht die Verbindung von Tetanus und Trainingsproblemem aber im nachhinein bin ich mir sicher, dass der Einfluß der Erkrankung auf Pebbles Verhalten sehr viel größer war als gedacht. Tetanus bewirkt ebenfalls eine Wesensveränderung im Hund, die allerdings im Laufe der Zeit auch wieder verschwindet. Die Unsicherheiten, die durch die Krankheit hervorgerufen wurden, waren aber noch nicht verklungen, als wir das Training wieder aufnahmen. Im normalen Alltagsleben machten sie sich nicht bemerkbar, deshalb zog ich auch nicht die richtigen Rückschlüsse.
Darauf hin meldete ich mich zu einem Schutzdienstseminar mit Josef Wild in Niedermurach an. Sepp nahm sich viel Zeit und schaute sich nicht nur meinen Hund an, sondern er tat etwas eigentlich relativ Simples, was mir aber zum ersten mal die Tür zum Verständnis für den SD einen Spalt öffnete. Er zeigte mir haarklein, wie mein Hund auf was reagierte. Er zeigte mir, welche Bewegung beim Hund welches Verhalten auslöste. Er erklärte mir und zeigte das Theoretische direkt an meinem Hund. Vorher war es mir nie bewusst, wo eine Belastung für den Hund anfängt. Belastungen waren für mich z.B. Stockschläge, aber das ein Hund unter Umständen bereits darauf reagiert, wie der Helfer steht, ob seitlich zum Hund oder frontal vor ihm, war mir nie bewusst. Er zeigte mir die Reaktion von Pebbles darauf, ob er sie ansah oder nicht, ob er den Arm mit dem Ärmel ganz locker hielt oder ob er Spannung im Arm hatte, usw. Mir öffnete sich eine komplett neue Welt. Nicht sofort, denn es war viel zu viel Input, um alles sofort zu begreifen und zu verarbeiten, aber Stück für Stück kam im Nachhinein die Erkenntnis.
Bei diesem Seminar zeigte Sepp mir, welche Arbeit für Pebbles zu diesem Zeitpunkt am geeignetsten war. So ruhig beim SD wie in diesen 4 Tagen war sie die Monate zuvor niemals gewesen und ich kam mit neuem Wissen und vor allem mit neuer Motivation nach Hause und zum Training zurück.
Im Sommer 2008 kam es zu Problemen in der SV OG, in dessen Folge André diese OG verließ. Durch einige Umstände, deren Erzählung nun den Rahmen sprengen würden, arbeiten Pebbles und ich inzwischen in einem Trüppchen in Bochum, mit dem Figuranten Carsten Bombosch und ich muss sagen, es läuft super. Natürlich muss noch immer jeder Ausbildungsschritt hart erarbeitet werden, aber es wird Stück für Stück. Carsten hat die Arbeit genau dort fortgeführt, wo wir mit Andrés Hilfe hingekommen waren. Auch er arbeitet mit Sinn und Verstand, kennt sich mit angekratzten Hunden wie dem meinen aus und kommt vor allem auch mit manchmal schwierigen Hundeführern wie mir klar. ;-) Er erklärt, warum und weshalb und akzeptiert meine Vorstellungen. Insgesamt sind wir ein recht kleines Trainingstrüppchen, in dem ich mich wohl fühle wie kaum bisher in meiner Hundlerzeit. Da kann ich wirklich mit voller Überzeugung sagen, so macht Hundesport Spaß.
Ich musste mir schon verschiedensten Seiten anhören, dass mein Hund mit 4 Jahren doch schon so alt sei und wir schon längst Prüfungen haben müssten. Nun, ich sehe das ein wenig anders. Abgesehen davon, dass wir halt etwas länger gebraucht haben als andere um unseren Weg zu finden, setze ich nicht das Alter des Hundes in den Vordergrund um Prüfungen zu planen, sondern den Ausbildungsstand und die eigenen Ansprüche an eine abgelegte Prüfung. Natürlich gibt es keine Perfektion und ich kann problemlos damit leben, wenn wir mit einer schlechten Punktzahl aus einer Prüfung heraus kommen werden aber ich kann nicht damit leben, bereits mit einer schlechten Punktzahl in eine Prüfung hineinzugehen. Wenn alles läuft wie geplant, machen wir im Herbst 2009 die VPG 1.